Steuererklärung für Kleinunternehmer

Steuererklärung für Kleinunternehmer

Die Steuererklärung für Kleinunternehmer – (K)ein Buch mit sieben Siegeln

Einer der Pflichten, mit der sich jeder Unternehmer auseinandersetzen muss, ist die Steuererklärung am Ende eines Geschäftsjahres.

Für Kleinunternehmer wirft vor allem die erste Steuererklärung sehr viele Fragen auf: Muss eine Bilanz erstellt werden? Was ist eine EÜR? Muss man Umsatzsteuer ausweisen?
In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt alle Pflichten, und den genauen Ablauf für deine Steuererklärung als Kleinunternehmer!

Bist du bereit? Dann lass uns anfangen!

Wer gilt als Kleinunternehmer beim Finanzamt?

Als Kleinunternehmer gilt, wer einen Gesamtumsatz von 17.500 EUR im vergangenen Kalenderjahr nicht überschritten hat UND voraussichtlich im Folgejahr nicht mehr als 50.000 EUR Umsatz generiert. (§19 UstG)

Es handelt sich hier also nicht um den Gewinn des Kleinunternehmens, sondern um den Gesamtumsatz vor Steuern und Abgaben.

Der Umsatz ist die Summe aller deiner Einnahmen, in der Regel musst du also einfach alle deine geschriebenen Rechnungen addieren.

Bis wann muss die Erklärung eingereicht werden?

Was gilt es vor der Erstellung zu beachten?

Stichtag für die Kleinunternehmer Steuererklärung ist der 31.Mai des Folgejahres. Also gilt beispielsweise für die Erklärung des Geschäftsjahres 2016, der 31.Mai 2017 als Stichtag.

Auf Antrag kann die Frist auch bis zum 30.09. verlängert werden. Falls die Steuererklärung ein Steuerberater durchführt, gilt der 31.12. als Stichtag.
Vor der Erstellung einer Kleinunternehmer Steuererklärung sollten einige Punkte vorab geklärt sein: Liegen alle nötigen Dokumente und Nachweise der Einnahmen und Ausgaben vor? Abgabefristen beachtet?

Reicht man die Steuererklärung postalisch oder mittels ELSTER elektronisch ein? Welche amtlichen Formulare benötigt man?!

Welche Steuern müssen erfasst werden?

Kleinunternehmer müssen die gleichen Steuervorschriften beachten, wie beispielsweise andere gewerbliche Unternehmer, Selbstständige, Land-und Forstwirte, sowie Freiberufler. Dazu gehört, sowohl eine Steuererklärung für die Einkommenssteuer, als auch für die Gewerbesteuer, die von Städten und Gemeinden erhoben wird. (letztere gilt nicht für Freiberufler)
Einkommenssteuer: Das Einkommen des Unternehmens wird mit einer Gewinnermittlung (Einnahmen minus Ausgaben) ausgewiesen. Auf diese wird dann die Einkommenssteuer erhoben. Mehr dazu, und wie diese Einnahmen-Überschuss-Rechnung funktioniert findest du weiter unten.
Gewerbesteuer: Die Gewerbesteuer, wird ebenfalls auf den Gewinn des Unternehmens gerechnet. Hier gilt die Freigrenze von 24.500 EUR für Einzelunternehmer und Personengesellschaften. Hat man als Kleinunternehmer also nicht mehr als 17.500 EUR Umsatz generiert, entfällt die Gewerbesteuer, da man zwangsläufig unter der Gewinnfreigrenze von 24.500 EUR liegt.

Die Umsatzsteuererklärung – Nachweis zur Kleinunternehmerregelung

Auch wenn man weiß, dass man unter die Kleinunternehmerregelung fällt, so muss dennoch zu Beginn die Umsatzsteuererklärung erstellt werden. Sie dient für das Finanzamt als Nachweis, welcher ausdrücklich bestätigt, dass man im letzten Geschäftsjahr weniger als 17.500 EUR umgesetzt hat und voraussichtlich weniger als 50.000 EUR im folgenden Geschäftsjahr umsetzen wird. Der Umsatz des Unternehmens umfasst die Gesamteinnahmen ohne Abzüge und Ausgaben.

Von Zeile 1 bis 13 werden die Daten des Unternehmens/Unternehmers eingetragen.
Bei unternehmerischer Tätigkeit unter einem Geschäftsjahr muss Zeile 15 und 16 bearbeitet werden.
In Zeile 24 und 25 kommen dann die Umsätze des vergangenen Geschäftsjahres.

Die Umsatzsteuererklärung wird seit 2011 nur noch elektronisch mittels Elster oder anderen Buchführungsprogrammen an das Finanzamt versendet.

Welche Formulare müssen zusätzlich, speziell für Kleinunternehmer bearbeitet werden?

Mantelbogen
Enthält die SteuerID, persönliche Daten, Beruf, etc. (für jeden Steuerpflichtigen auszufüllen)
Anlage G
Für Einkünfte aus Gewerbebetrieb (aus EÜR ersichtlich)In die Anlagen G und S werden nur die Gewinne des Unternehmens eingetragen. Diese errechnen sich in der EÜR (siehe unten)
Anlage S
für Freiberufler und sonstige Selbstständige (nach §18 EStG)In die Anlagen G und S werden nur die Gewinne des Unternehmens eingetragen. Diese errechnen sich in der EÜR (siehe unten)
Anlage VAV
Vorsorgeaufwendungen, also Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge
Anlage EÜR
Einnahmenüberschussrechnung = (Summe der Einnahmen minus Summe der Ausgaben)

Gewinnermittlung (EüR) und Einkommenssteuererklärung

Da Kleinunternehmer ebenfalls auch Kleingewerbetreibende sind, entfallen sowohl sämtliche Buchführungsvorschriften, als auch eine doppelte kaufmännische Buchführung. Aufgrund der geringen Einnahmen, darf man den Gewinn formlos ermitteln. Dies kann sowohl als Tabellenkalkulation, als auch in Papierform erfolgen.

Man addiert am Ende des Geschäftsjahres sämtliche Bruttoeinnahmen (d.h. inklusive Mehrwertsteuer) und zieht davon die Summe aller Bruttoausgaben ab. Somit erhält man den Bruttogewinn.

Bis zum sogenannten „Grundfreibetrag“(für 2015: 8472 EUR) wird keine Einkommensteuer erhoben. Alles was darüber liegt, wird dann versteuert.

Was sind absetzbare Ausgaben?

Kleinunternehmer können wie alle anderen Unternehmer auch, alle Kosten die für Ihr Unternehmen anfallen, von der Steuer absetzen. Wichtig ist dabei die Frage, ob die Kosten in direkter Verbindung mit dem Unternehmenszweck stehen. Das kannst du grundsätzlich ganz einfach mit der Frage "Brauche ich das um Geld zu verdienen?" beantworten.

Hierunter fallen beispielsweise:

Gibt es Besonderheiten bei den absetzbaren Ausgaben?

Besonderheiten bei den Ausgaben, betreffen vor allem die Abschreibungen, das häusliche Arbeitszimmer und die Nutzung des KFZ.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Bewegliche Wirtschaftsgüter mit einem Wert bis 410EUR netto (ohne Umsatzsteuer) können vollständig als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Als Sammelposten zusammengefasst, können Wirtschaftsgüter bis 1.000EUR über 5 Jahre abgeschrieben werden. Alle Wirtschaftsgüter mit einem Wert über 1.000 EUR müssen über die gesamte, geplante Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Das häusliche Arbeitszimmer als Kleinunternehmer absetzen?

Beim häuslichen Arbeitszimmer, wird unterschieden, ob man ausschließlich zuhause arbeitet, oder noch über ein externes Büro verfügt. Arbeitet man ausschließlich zuhause, muss das Arbeitszimmer ein separater Raum sein. Besitzt man ein externes Büro, kann man das häusliche Arbeitszimmer nur zu maximal 1250 EUR absetzen.

PKW als Kleinunternehmer absetzen?

Auch bei den Kosten für den Pkw gibt es Einiges zu beachten. Zählt der Pkw zum Betriebsvermögen, so darf er auch hauptsächlich nur für geschäftliche Tätigkeiten genutzt werden und entsprechend über die Ein-Prozent-Methode, oder über ein Fahrtenbuch, abgesetzt werden.

Wird der Pkw hauptsächlich privat und nur gelegentlich geschäftlich eingesetzt, so kann man ebenfalls mit dem Fahrtenbuch die geschäftlichen Fahrten dokumentieren, und diese dann mit der Kilometerpauschale von 0,30 EUR pro gefahrenem Kilometer absetzen.

Nicht alle Ausgaben müssen mit Nachweisen eingereicht werden, dennoch sollten alle Ausgaben belegbar und griffbereit sein, falls das Finanzamt genauer nachhakt.

Die auf den Einzelfall betreffenden Besonderheiten bei den Abschreibungen sollten mit dem Steuerberater besprochen werden, da wir hier keine Einzelberatung ersetzen können.

Nach der Abgabe der Steuererklärung für Kleinunternehmer

Die Bearbeitungszeit der Erklärung ist von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich. In der Regel kann man von zwei bis drei Monaten ausgehen. Danach erhält man den vorläufigen Steuerbescheid zurück. Dieser weist die bereits gezahlten Steuern im jeweiligen Geschäftsjahr aus und gibt eine Übersicht und eine Erläuterung zur Festsetzung. Nun gilt es, denn Bescheid nochmals zu prüfen. Sind die ermittelten Steuern höher als die Steuerschuld, so bekommt man Steuern vom Fiskus zurück. Das Gegenteil ist bei geringer ermittelten Steuern der Fall.

Gegen den Steuerbescheid des Finanzamts kann man innerhalb eines Monats Einspruch erheben. Wird diese Frist ungenutzt gelassen, gilt der Bescheid des Finanzamtes als anerkannt und rechtsgültig.

Es empfiehlt sich, die Steuerbescheide und Nachweise der letzten 10 Jahre aufzubewahren und abzuheften.

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